Fohlennews hat sich mit Wolfgang Kleff, Torwart der Borussia zwischen 1968-79 und 1980-82 unterhalten!

Durch ein umfangreiches und interssantes Interview wird dieses aufgeteilt und somit in 2 Teilen zu lesen sein!

Sie haben eine unfassbare Karriere hinter sich und haben  ihr letztes Spiel 2008 im Alter von 61 Jahren absolviert. Wie kam es dazu?

Das war damals beim 1. FC Rheinbach. Ein Bekannter hat mich gefragt und ich habe mich bereit erklärt da auszuhelfen! Ich habe da eine Nacht drüber nachgedacht und es dann gemacht! Nach 35 Minuten musste ich dann ausgewechselt werden, da führten wir noch 1:0. Am Ende verloren wir mit 1:4!

Das Angebot war damals sehr reizvoll aber ich war 61, da wäre es vielleicht besser gewesen nicht zu spielen!
Letztendlich war ich aber auch froh, dass ich nach 35 Minuten runter musste. Nach ein paar Aktionen habe ich mich schon gefragt, wie oft ich mich denn noch auf den Boden schmeißen müsste um den Ball zu bekommen.
Letztendlich habe ich Glück gehabt und das abgehakt!

Ich habe in meinem Leben viele schlimme Erlebnisse gehabt. Ich hatte einen Gehirnschlag und zwischenzeitlich nur 20% Herzleistung. Deswegen habe ich jetzt einen Defibrillator. Ich möchte jetzt aber nicht über meine Krankheiten sprechen, ich möchte nur sagen, dass ich bereits in der Kindheit mit der Einstellung groß geworden bin, dass das Schicksal bei dem einen so, bei dem anderen so ist. Da kann man sich auch mal bei Gott bedanken!

Sie kamen damals von VFL Schwerte zum Probetraining nach Gladbach.

Ja, das sind Geschichten, die wurden bestimmt schon einige Male erzählt.
Ich hatte mir beim VFL Schwerte einen guten Namen gemacht. Damals hießen wir die 1:0 Mannschaft aus Schwerte. Wenn wir ein Tor schossen habe ich keinen rein gelassen! Ich war zur damaligen Zeit, auch wenn ich mir dessen nicht bewusst war ein relativ guter Torwart.
Zur damaligen Zeit hatte Hennes Weisweiler immer gute Connections zu den Auswahlen der Bundesländer und der Sporthochschule in Köln. Der Verband hat mich damals empfohlen und Weisweiler hat mich zum Training eingeladen.
Es waren auch noch andere Vereine an mir interessiert, u.a. Borussia Dortmund und der VFL Bochum.
In Gladbach sollte ich direkt genommen werden, in Dortmund hieß es dann „komm irgendwann mal“. Deswegen habe ich mich für Gladbach entschieden.
Für mich war direkt klar, wenn ich zum Probetraining eingeladen werde, will der Verein mich auch haben. Dass auch noch 10 andere Torhüter eingeladen wurden wusste ich nicht. Dafür war ich damals einfach zu naiv.
Ich bin dann aus einem kleinen Dorf mit vielleicht 25.000 Einwohnern in die Großstadt Mönchengladbach, die ,wie ich später merkte, eigentlich auch nur ein Dorf ist gezogen.

Für mich  war es das erste wirkliche Mal von Zuhause weg. Ich war zwar auch 1,5 Jahre bei der Bundeswehr, dort aber meistens Heimschläfer, von Schwerte nach Unna war ja realisierbar.
Bei der Bundeswehr bekam man damals 60 DM im Monat, bei Borussia bekam ich etwa 1200 DM. Das war nicht viel für einen Profi, für mich aber reichlich! Ich musste damit auch zufrieden sein, ich hatte keine Verhandlungsbasis. Hätte ich mehr gefordert hätten sie den nächsten genommen!

Die Preise waren damals aber auch ein bisschen anders, wenn man sich die Entwicklung des Fußballs anguckt. Der Fußball ist direkt von 0 auf 1.000 oder sogar 10.000 gegangen.

Sie haben ihr Debüt für die Borussia erst mit 21 Jahren gemacht?

Richtig, ich bin mit 21 nach Gladbach gekommen, war ein Spätstarter. Ich hatte auch keine vorhersehbare Karriere, die sich in irgendeiner Form anbahnte.
Ich habe damals in keiner Jugend- oder Schülerauswahl gespielt.
Im Grunde ist sowas sehr selten. Wer heute einen Bundesligavertrag bekommt, hat zumindest in einer Landes oder Kreisauswahl gespielt.
Ich bin durchgestartet, vom Jugendspieler in die 1. Mannschaft von Schwerte in die erste Bundesliga nach Gladbach und wurde nach etwa 9 Monaten direkt Stammspieler – Und dann irgendwann Nationalspieler.

Warum haben sie ihr Leben als Industriekaufmann aufgegeben und haben sich nur noch dem Fußball gewidmet?

Fußball ist mein Leben! Es gibt auch das Lied von 74 – „Fußball ist unser Leben!“. Und das ist ja auch die Wahrheit!

Noch schlimmer ist es bei den Fans. Um ins Stadion zu kommen oder Auswärts zu fahren suchen sie ihre letzten Ersparnisse heraus. Damals wusste ich noch gar nicht, welche Verpflichtung ich als Spieler bzw wir als Mannschaft den Fans gegenüber haben. Wenn die Masse der Fans nicht dahinter stehen würde, hätte man auch keine Werbepartner, dann würde das Interesse zurückgehen.
Man hat im Grunde eine Verpflichtung den Fans gegenüber – das heißt nicht, dass man jedes Spiel gewinnen muss- aber man muss ihnen zumindest etwas mit ehrlicher Arbeit zurückgeben. Das man nicht immer gewinnen kann, das weiß jeder.
Es ist immer das wie! Wie verkaufe ich mich? Wie spiele ich? Wie setze ich mich ein?
Es gibt nichts schöneres als ein Hobby zum Beruf zu machen und soviel Geld zu verdienen, dass man seine Familie ein Leben lang versorgen kann. Ich sage mir immer, wenn man diese Angst hat, dann sollte man besser etwas anderes machen, am Ende des Monats hat man schließlich auch keine Angst zur Bank zu gehen und sich seinen Kontostand anzugucken.

Man sollte immer mit Selbstvertrauen, nicht mit Überheblichkeit an die Sache rangehen und versuchen das Bestmögliche zu geben. Wenn ich das nicht spüre, dann wende ich mich irgendwann auch ab. Ich bin so erzogen, dass man es zumindest versucht, auch wenn es nicht klappt.
Niederlagen gehören zum Leben, man kann nicht immer gewinnen.

Wo wir jetzt beim Thema Angst und Kopfsache waren: Wie bewerten sie die aktuelle Auswärtsstatistik der Gladbacher?

Das hat doch mit Kopfsache nichts zu tun! Die Zeichensprache die jeder Spieler abgibt – manche sind überheblich, andere haben Angst und andere machen ihren Job. Und die, die ihren Job machen, machen es richtig und gewinnen wahrscheinlich.
Aber da bekomme ich die Krise – Auswärts Zuhause.
Was ist da anders? Sind die Tore anders? Ist der Rasen nicht so grün, oder das Feld nicht so lang? Spielen die mit einem eckigen Ball? Was ist da anders?
Dass mehr einheimische Leute da sind, das ist klar! Damit muss ich leben.

Und wisst ihr was wunderbar ist? Was wir damals erlebt haben?
Wenn du zu einem Auswärtsspiel fährst, die wollten uns alle besiegen. Aber wenn es nicht klappt bei der einheimischen Mannschaft, dann wenden die[die Fans] sich ab und pfeifen ihre eigene Mannschaft aus. Und dann habe ich als Gast doch gewonnen. Dann sind die verunsichert und wir sind sicherer.Warum kann man das nicht erreichen? Für mich persönlich ist das unverständlich.
Wenn wir auf einem neutralen Platz spielen, wie ist es denn da? Ziehen sich beide zurück? Haben beide Angst?

Wenn man dann mal das Spiel gegen Barcelona und das Spiel gegen Schalke vergleicht…

Nach 10 Minuten konnte man sehen, was da passiert. Gegen Schalke habe ich gesagt, die verlieren heute. Warum? Weil die keinen Mumm hatten nach vorne zu spielen, keiner wollte einen Ball haben. Nur hinten herum und quer, quer, quer.
Und da gibt´s einen speziellen Mittelfeldspieler, das ist der „Meister der 5-Meter Pässe“, der kann das besonders gut.
Da nimmt keiner was in die Hand. Der Xhaka damals hat das in die Hand genommen. Der wollte und die anderen mussten mit. Heute läuft von den Spielern doch keiner mehr nach vorne, da wird der Ball ja auch nicht nach vorne gespielt.
Da war doch klar, dass der Gegner vorsichtig ist. Schalke – kaum ein Tor und keinen Punkt. Und ich habe gesagt: gegen Gladbach schießen die Tore und gewinnen auch. Das habe ich nicht im Nachhinein gesagt, das habe ich vorher gesagt.
Wenn ich das dann sehe, da muss ich ehrlich sagen: Das war deprimierend bis unverschämt. Ich sage immer meine Meinung und kommentiere nur das was ich sehe.

Inwiefern würden sie das denn auf den Trainer beziehen?

Natürlich ist der Trainer mit Schuld, er ist ja auch ein Teil der Mannschaft. Aber die Spieler stehen auf dem Platz. Ich kenne die Gespräche in der Mannschaftssitzung nicht, im Grunde kann ich mich da nur raus halten. Ich weiß nicht was er gesagt hat, ich hab keine Ahnung.
Aber eins kann ich sehen, das kann ich dann wieder beurteilen: In Manchester mit einer Dreierkette hinten, da waren Löcher auf Löcher, auf Löcher. Gegen eine Weltmannschaft, die gute Spieler hat spiele ich doch nicht mit Dreierkette.
Wenn wir 7 Tore bekommen, sind wir noch glücklich. Über links, also die linke Seite von Manchester, das war ja katastrophal. Mit einer Viererkette fühlt sich der Torhüter auch immer ein bisschen sicherer. Man hat mit einer Dreierkette zwar einen Mann mehr im Mittelfeld aber den habe ich nicht gesehen. Ich dachte wir wären einer weniger. Das wurde dann zwar geändert, da war´s aber schon zu spät. Und was passiert dann wieder [gegen Schalke]? Wieder eine Dreierkette und er nimmt den besten Abwehrmann zur Halbzeit raus. Da frage ich mich, wer ihn da beeinflusst hat. Und die haben ja jetzt genau so viele Gegentore wie in der gesamten Saison vor 2 Jahren.
In Manchester 4:0, in Schalke – noch keinen Punkt geholt – 4:0, da stimmt doch irgendetwas nicht! Aber wie gesagt, ich kann die Arbeit des Trainers nicht beurteilen. Ich kann nur das beurteilen, was ich auf dem Platz sehe. Mein Augenlicht ist noch da, ich kann verarbeiten, was ich sehe und habe auch eine Meinung.

Teil 2 gibt´s hier!