Dienstag, 17.8., ungefähr 21 Uhr. Ein warmer Sommerwind huscht durch die Straßen der Berner Altstadt, treibt die orange roten Wolken in den Sonnenuntergang hinein und drückt sie über das Stade de Suisse. Die leuchtenden Farben des Himmels bieten einen tollen Kontrast zur weißen Wand, einer Vielzahl an unzähligen Borussenanhängern, die ihre Mannschaft zum Sieg singen.

Auf dem flachen Kunstrasen starten die Männer des gelben Teams einen Angriff, müssen nur noch an einem Verteidiger vorbei, um alleine vor dem Torwart zu stehen. Doch der Abwehrspieler setzt im perfekten Timing zur Grätsche, seinem Markenzeichen, an und klärt den Ball. Denn er ist nicht nur ein drittel der Dreierkette, nein, es ist das Arbeitstier, die „Kampfsau“, das „Alte junge Fohlen“. Kurz gesagt, es ist Tony Jantschke, der Fußballgott!

„Verteidigen ist Handwerk, Angreifen ist Kunst!“ – So besagt es ein Sprichwort. Und zieht man die Parallelen, so sieht man, dass man vorallem Spieler wie ihn als „Handwerker“ bezeichnen kann. Der junge Mann, der mittlerweile schon 10 Jahre das Trikot der Fohlenelf überstreift, ist ein waschechter Verteidiger. Nicht einer mit maximalst ausgeprägtem Offensivdrang wie Oscar Wendt, keiner mit einer Antizipation wie Andreas Christensen, die die direkten Duelle im Keim erstickt. Nein, er ist ein Verteidiger, der die Zweikämpfe sucht, mit perfektem Stellungsspiel die Wege zustellt, der die Tacklings optimal timed. Jemand, der in einen Zweikampf geht, und egal welch Unordnung um den Ball herrscht, mit dem Ball als Sieger das 1 gegen 1 verlässt. Der keine Angst hat vor Kopfballduellen mit Gegnern, die 10cm größer sind, der körperlichen Schmerz nach Zweikämpfen unterdrückt und ins nächste Duell noch härter reingeht. Er ist nicht der Schnellste, nicht der Größte, aber immer der, der im Training und selbstverständlich in jeden Spiel 100% Prozent gibt. Und dafür lieben ihn die Fans, die ihn seit anderthalb Jahren mit „Fußballgott“-Zurufen adeln. Mit seiner sympathischen, lockeren und bodenständigen Art hat sich der Sachse bei den Fans und dem Team einen hohen Status erarbeitet. Nicht zuletzt deswegen ist er Teil des Mannschaftsrats und Vizekapitän. Er arbeitet immer mit vollem Elan, ist gut drauf, und ist vorallem eines: Dankbarer Realist. Er konnte gut mit dem Pech umgehen, da er zuvor viel Glück hatte, erklärt er im Bezug auf die Seuchensaison 15/16 und die vorherige Zeit, in der er nahezu verletzungsfrei blieb. Er ist eben keiner, der monatelang Trauer schiebt, er hat diese schwere Zeit mit all seiner Erfahrung gemeistert und kann sie nun hinter sich lassen. Er hat sie sozusagen fast vergessen und fokussiert sich nun vollkommen auf die anlaufende Saison. Die ersten Schritte dazu sind getan: Nach einer starken Vorbereitung durfte er gegen Bern 90 Minuten durchspielen und ist nun auf einem guten Weg, sich wieder als Stammspieler, wie er es unter Favre nach dem Motto „Wenn Tony fit ist, spielt er, die Frage ist nur wo!“ war, zu etablieren. Gegen die Young Boys war er der Einzige der 11 Spieler, die beginnen durften, der schon in den CL-Playoffs gegen Kiew in der Startelf stand. Und so spielte er auch, abgeklärt, souverän, er gewann nahezu alle Zweikämpfe und riss seine Mannschaft auch ohne Binde und große Worte mit. Man merkte es ihm ein wenig an, dass er noch nicht ganz an seine Bestform anknüpfen konnte, dafür fehlte ihm noch ein wenig die Sicherheit, die er aber mit jedem Pflichtspiel wieder zurück gewinnen wird. Und so wird er bestimmt auch bald wieder auf dem Platz stehen, „mit Stolz das Trikot der Fohlenelf tragen“, wie er es kürzlich sagte, und eben verteidigen – hart aber fair. Grätschen ansetzen, Angriffe einleiten, Verantwortung übernehmen, Kopfballduelle annehmen, und kämpfen. Man kann sagen, Verteidigen ist Handwerk, aber im Detail ist es eine wahre Kunst – denn nicht ohne Grund ist der Fußballgott ein Abwehrspieler!