Nach dem kräftezehrenden 10-gegen-10-Spiel am Mittwoch in der Königsklasse und dem Einzug in die K.O.-Runde der Europa League, geht es schon am Samstag (26.11./15:30) in der Liga weiter. Die Fohlenelf empfängt eine der Überraschungsmannschaften der Hinrunde – und Julian Nagelsmann, den Hoffenheimer Erfolgscoach.

Das Spiel wird weit mehr sein als nur das Aufeinandertreffen von Tobias Strobl und seinen ehemaligen Mitspielern. Es gibt Borussia die Chance, die zuletzt passagenweit guten Auftritte gegen beispielsweise Köln (in der ersten Hälfte) oder ManCity zu bestätigen, die Kräfte und Motivation zu bündeln, über 90-Minuten eine überzeugende Leistung auf den Platz zubringen und somit auch die Krise der letzten Woche vielleicht ein Stückchen wieder in eine positive Richtung umschwenken zu können. Doch dass die Nagelsmann-Elf einen Lauf hat, bei dem momentan, alles gelingt, liegt genauso auf der Hand, wie dass Borussia versuchen muss, diesen Lauf zumindest für ein Spiel zu stoppen – Es müssen Punkte her! Aber wie jedes Team, hat auch die TSG ihre Schwächen, die man sich zunutze machen kann.

Zumeist agieren sie in einem sehr flexiblen 3-5-2 beziehungsweise 5-3-2, je nach Spielverlauf und Ausrichtung der Gegner ist Taktikfuchs Nagelsmann oft bereit, seine Formation anzupassen. In der Dreierkette spielen Bicakcic, Hübner und Süle, wobei der letztgenannte, an dem Gerüchten zufolge auch Borussia interessiert sein soll, der wohl aktivste Akteur der Defensivreihe ist, was den Spielaufbau angeht. Er bildet die Verbindung nach vorne und schaltet sich je nach Situation bei Ballbesitz auch ins Mittelfeld mit ein. Im Spiel gegen den Ball agiert er entweder als linker Außenverteidiger oder als linker Part des Innenverteidiger-Trios. Als vorgezogene Flügelverteidiger beziehungsweise Außenstürmer sind Steven Zuber und Pavel Kaderábek zu viel Laufleistung gezwungen. Rücken beide mit nach hinten, ergibt sich eine sehr kompakte 5er-Kette, aber etwas mehr Raum für die Flügel der Borussia, rückt nur einer zurück, meist der etwas tiefer stehende Zuber, so werden die beiden Außenbahnspieler der Borussia etwas mehr in Bedrängnis kommen. Wer inwiefern zurückschiebt, ist während der kompletten 90 Minuten sehr variabel.

Die TSG verteidigt, indem sie relativ hoch und gut gestaffelt stehen, um die Gegner durch konstant gleichmäßiges, mannschaftstaktisches Verschieben zu Fehlpässen zu zwingen. In dieser Idee des Verteidigens spielt ein Faktor ungewohntermaßen nahezu gar nicht mit hinein: Aggressive Zweikampsführung. Die Hoffenheimer führen mitunter die wenigsten Zweikämpfe der Liga, gewinnen aber mehr als 75% – Ligabestwert.

Was die Offensive betrifft, ist das Team von Jungcoach Nagelsmann von seltengesehenen Assymetrien geprägt, da sich die Offensivspieler enorm viel zwischen den Linien bewegen und häufig auch Positionen tauschen, was es dem verteidgenden Gegner schwer macht, ein klares Muster zu finden – Die gewollte Unperfektion in der Offensivformation macht das Angriffspiel komplett unberechenbar. Im geballten Mittelfeld agiert der eher defensiv-ausgerichtete Nationalspieler Sebastian Rudy zusammen mit den beiden Achtern Demirbay und Amiri. Statt Amiri könnte auch Ex-Fohlen Lukas Rupp spielen, der zwar weniger Geschwindigkeit ins Spiel bringt als sein Kollege, jedoch für Pässe in die Tiefe oder den vorletzten Pass zuständig ist. Alle zentralen Mittelfeldspieler sind enorm laufstark und erschweren den Gegnern den Zugriff im Zentrum. Auf den Flügeln spielen wie bereits erwähnt Kaderabek und Zuber, bleiben diese hinten, schieben Amiri/Rupp und Demirbay gelegentlich auf die Außenbahnen. Im Sturm spielen Sandro Wagner und LeicesterCity-Abgabe Kramaric.

Die TSG kreiert ligaweit mitunter die meisten Torchancen pro Spiel, einen Großteil davon aus dem Halbfeld, verwertet diese jedoch oft zu selten. Die schwache Effektivität kann den Kraichgauern vorallem in engen Partien zum Verhängnis werden.

Um die Hoffenheimer zu besiegen, könnte Schubert mit folgender Elf in einer 4-3-3 auflaufen:


Sommer

Korb – Christensen – Vestergaard – Wendt

Strobl – Dahoud – Jantschke

Hazard – Raffael – Stindl


In der Viererkette zeigten sich Christensen und Vestergaard, auch genannt „Danish Dynamite“ als gut eingespieltes Duo, mit Wendt und Korb hat man daneben noch zwei Verteidiger mit etwas offensiveren Ausrichtung. Korb erhält in dieser Aufstellung den Vorzug vor Elvedi, der gegen City eines seiner besten Spiele bei Borussia absolviert hatte, da dieser enorm anstrengende 90-Minuten gegen Sterling und Co. hinter sich hat und Korb nach seiner abgesessenen Sperre komplett fit sein sollte. Im Zentrum hat Dahoud mit den Abräumern Jantschke und Strobl im Rücken viele Freiheiten was die Offensive angeht und kann somit viele Angriffe einleiten. Im Sturm hat man mit Hazard, Stindl und „El Maestro“ Raffael das wohl aktuell stärkste Offensivtrio, was Borussia derzeit zu bieten hat und somit drei Spieler mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten, die sich sehr gut ergänzen.

Versuchen die Fohlen, über die Flügel zu kommen und das Spiel der TSG auf die Flügel zu verlagern, werden Zuber und Kaderabek Schwierigkeiten bekommen, die Balance zu finden und gefährliche Räume eröffnen, die die Borussia nutzen kann.

FN-Tipp: 2-1