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Mahmoud Dahoud

Es läuft die neunte Minute des Derbys zwischen der Fohlenelf und dem Erzfeind aus der Domstadt. Borussia startet einen weiteren Angriff über Stindl und Raffael, der Ball gelangt zu Dahoud, der den Ball lässig mit dem Außenrist am Torwart vorbeischießt und einnetzt. Somit beschert ein junger, 20-jähriger Syrer der Borussia den heiß umkämpften Derbysieg. Eine “Überraschung” mögen manche sagen, aber jeder, der sich mit dem Talent auseinander gesetzt hat, weiß, dass es in keinem Fall eine Überraschung war.

Denn “Mo”, wie sie ihn Mönchengladbach nennen, gilt schon seit Jahren als eines der besten und vielversprechendsten deutschen Mittelfeldtalente. Seine unglaublich ausgeprägte Technik, sein umsichtiges Spiel, seine flinken Bewegungen und seine enorme Übersicht ist bis jetzt noch keinem seiner Trainer entgangen. Schon Lucien Favre lobte den damals noch in der Jugend spielenden Dahoud mit den Worten: “Was der Junge manchmal auf dem Platz zeigt, Oh là là!” Doch erst unter Schubert gelang ihm der Durchbruch in die erste Mannschaft. Hinter dem “lieben Mo”, wie Martin Stranzl ihn einst nannte, steckt viel mehr als nur ein Mittelfeldass.

Dahoud wurde in einer kleinen Stadt in Syrien geboren, zog aber schon 4 Jahre später nach Deutschland, in die Nähe von Düsseldorf. Seitdem spielte Fussball eine immer größer werdende Rolle in seinem Leben. Er begann bei SC Germania Reusrath, bevor er zu Fortuna Düsseldorf und schließlich zu Borussia Mönchengladbach wechselte. Mo war (bzw ist) wie besessen von dem Sport. Er spielte täglich bis zu 6 Stunden mit seinen Freunden auf der Straße, er konnte gar nicht aufhören. Er lernte, den Ball zu behaupten, auch gegen Größere und er lernte, sich Respekt zu verschaffen. Den erhielt er auch bei der Borussia, galt jahrelang als Topkandidat für die erste Mannschaft. In der Saison 13/14 unterzeichnete er seinen ersten Profivertrag, spielte jedoch vorerst in der Jugend weiter, wo er sich auch die bisher härteste Verletzung seiner Karriere zuzog: Probleme am Sprunggelenk ließen Dahoud nur 11 Einsätze in der genannten Saison absolvieren. Danach kämpfte er sich wieder ran, wurde Leistungsträger der U23 und feierte in der Saison 14/15 sein Pflichtspieldebüt für die erste Mannschaft. In der 55. Minute wurde er im Spiel der Europa League gegen Sarajevo (7:0) für Kramer eingewechselt, zudem erhielt er Einsätze beim Telekomcup. Rückblickend, waren das Sternstunden in der Geschichte des Mo Dahoud.

Doch was macht diesen Mahmoud Dahoud so besonders? Um dieser Frage nachzugehen, könnte man einiges aufzählen. Mo ist unglaublich flink am Ball, lässt selbst erfahrene Gegner wie Ribéry oder auch Marchisio ins leere laufen. Seine einzigartige Ballan- und mitnahme, die jeden Fan von weitem erkennen lässt, dass der Mann mit der 8 auf dem Rücken am Ball ist. Der, der “nur spielen will, den das drumherum überhaupt nicht interessiert” (Zitat Max Eberl). Ein Spieler mit einem präzisen Schuss aus jeder Position, mit seiner Ballbeherrschung und vor allem mit seiner authentischen Art. “Von welchen Verein hast du früher als Kind gerne Trikots getragen? Barcelona? Real? London?” (Anspielung von Sky auf Wechselgerüchte) – “Gladbach”, meinte Mo mit einem Schmunzeln. Er kann stolz sein, denn er repräsentiert den Verein wie kaum ein anderer in seinem Alter, er ist ein “Vorzeigefohlen”, der für den jungen Weg der Borussia steht, ein Spieler, den man einfach mögen muss. Ibo Traoré nennt ihn “kleiner Bruder”, und das liegt vielleicht auch einfach daran, dass Mo trotzdem dass er groß geworden ist, innerlich vielleicht noch teilweise wie ein kleiner Junge ist. Nach dem Spiel gegen Manchester City wollte er sein Idol, Yaya Touré um sein Trikot bitten, doch Mo “hat sich nicht getraut ihn zu fragen”.

Aber wenn Mahmoud Dahoud weiter so spielt, seinen Zielen folgt, seinen Weg nach oben geht und trotzdem am Boden bleibt, dann wird ER bald einer sein, bei dem sich so mancheiner nicht nach dem Trikot fragen traut. Denn dann wird er ein hellleuchtender Stern über dem Fussballhimmel über Mönchengladbach sein.