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Interview mit Wolfgang „Otto“ Kleff – Teil 2

Wer´s verpasst hat: Teil 1 des Interviews

 

Sie haben ihr Debüt damals gegen Aachen gegeben, und später über 200 Spiele am Stück für die Borussia bestritten.

Ich habe sogar meine ersten beiden Spiele gegen Aachen bestritten, danach habe ich 7,5 Jahre lang ununterbrochen gespielt.

Das war die Zeit, da war der damalige Stammtorwart nicht immer ganz einverstanden und hatte teils „leichte“ Ausraster. Nach einem Spiel hat er sich dann – nett formuliert – nicht gut verhalten, und seitdem stand ich im Tor.

Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, dass das irgendwann nicht mehr so sein könnte und ein anderer Torwart kommt. Ich war damals immer noch etwas naiv.

Ich habe meine Mitspieler bzw Kontrahenten aber auch immer beobachtet und meine Trainingsleistung mit deren Leistungen verglichen

Nach ihrer Leisten-OP 1976 hatten sie dann 16 Monate lang keinen Einsatz.

Ja, ich habe mich geweigert etwas machen zu lassen. Als das anfing habe ich vor den Spielen Schmerzmittel genommen, bin auch in Urlaub gefahren und habe mich geweigert zum Arzt zu gehen. Als ich dann im Urlaub war wurde es nicht besser und ich habe mich doch entschieden mich operieren zu lassen. Das war am Anfang der Saison, wir haben guten Fußball gespielt. Letztendlich war es eine langwierige Verletzung, eine Leisten und Bauchmuskel Fraktur. Das Schicksal eines Sportlers eben – Verletzungen.

Deswegen bin ich nachher nach Berlin „ausgewandert“. Das war ein sehr schönes Jahr, sie sind zwar abgestiegen aber deshalb konnte ich wieder zurück. Jupp Heynckes hat mich damals zurückgeholt. Ich habe dann 2 Jahre in Gladbach gespielt, habe mich dann aber in der Vorbereitung wieder verletzt und konnte in dieser Saison nicht wirklich spielen.

Das war aber egal. Ich war froh, ich war stolz, dass ich wieder nach Gladbach zurück konnte. Wenn man da 10 Jahre gespielt hat, nach einem Jahr in Berlin zurück geholt wird hat man irgendwann eine Liebe zum Verein entwickelt.

Ajax Amsterdam, zur damaligen Zeit ein Spitzenverein hatte Interesse an mir, das fand ich sehr reizvoll, fand das toll, war tief im Inneren aber froh, dass ich zu Gladbach gegangen bin!

Dann habe ich nach 2 Jahren mit Jupp Heynckes gesprochen bzw er mit mir und er sagte „Wolfgang, ich möchte einen Generationswechsel. Ich hab einen neuen: Uli Sude!“ Für mich war das kein Problem, ich bin Gladbacher, ich würde auch einen Platz auf der Bank akzeptieren! Jupp Heynckes erklärte mir jedoch, dass das nicht ginge. „Wenn du als Publikumsliebling auf der Bank sitzt und Uli Sude einen Fehler macht, fängt das Publikum an Otto, Otto zu rufen.“

Aus diesem Grund bin ich dann letztendlich nach Düsseldorf gewechselt, habe dann bis zum 40. Lebensjahr gespielt, das letzte Jahr in der 2. Liga in Salmrohr, auch dieses Jahr war trotz Abstieg schön.

Dann habe ich meine Karriere in Straelen nach 5 Jahren Landesliga ganz beendet.

Wo sie vorhin Otto (Waalkes) ansprachen, wie kam da der Kontakt zustande?

Das ist eine Frage, die kann ich nicht so ohne Weiteres beantworten, das weiß ich selber nicht. Otto Waalkes wollte einen Film drehen. Otto – der Film. Ist der erste Film von Otto – und der erfolgreichste. Warum? Klar, weil ich mitgespielt habe (lacht).

Wahrscheinlich lief das über Mönchengladbach, private Kontakte gab es nicht. Man hat sich vielleicht mal gesehen.

Dann bekam ich – hocherfreut – das Angebot von Otto, einem klasse Typ, mir sehr ähnlich – nicht nur vom äußerlichen, auch charakterlich und von der Einstellung.

So ist das dann entstanden, bin dann zum Drehen nach Berlin gekommen, es wurde auch in der Karibik gedreht, da war ich leider nicht dabei – wäre mir lieber gewesen.

Sie haben in ihrer Karriere nicht gerade wenige Titel geholt. Inwiefern verbinden sie das immer noch mit ihrer Karriere?

Das ist ein fester Bestandteil meiner Karriere, das lässt sich auch nicht wegdiskutieren. Das ist das einzige was mich verbindet aber vorbei ist vorbei.

Der heutige Mythos beruht ja, ohne überheblich zu sein – auf der Zeit in der ich bei Borussia Mönchengladbach gespielt habe.

Welcher Titel war für sie der wichtigste bzw der mit der meisten Bedeutung?

Auch wenns keiner glauben will: Wir waren  im DFB-Pokal Finale gegen den 1. FC Köln, das hatte besondere Reize, unter anderem weil Hennes Weisweiler aus Köln kam. Diese Spannung hat sich auch bis heute gehalten. Das war für mich das Intensivste Spiel. 1:1 – Verlängerung – Günter Netzers abgerutschter Ball in den  Winkel – 2:1 gewonnen. Das ist wie eine Erlösung bei Schlusspfiff. Das war für mich das schönste Erlebnis und somit auch der schönste Titel!

Um bei Günter Netzer zu bleiben, er hat auch mal dafür gesorgt, dass sie ihren Urlaub wahrnehmen konnten?

Damals gab es noch Wiederholungsspiele. Es stand 1:1 und ich hatte einen Tag nach dem Endspiel meinen Flug nach Griechenland gebucht und mir während des Spiels schon Sorgen um diesen gemacht. Zwischenzeitlich habe ich sogar gedacht: „Vielleicht bekommste` noch einen rein, dann kannst du fliegen. – Schöner wäre aber wenn wir einen schießen, dann kannste` auch fliegen.“ So ist es dann auch gekommen.

Damals im Düsseldorfer Rheinstadion sah man sogar die Flugzeuge starten.

Sie haben sich also eigentlich nach dem Spiel auch über ihren Urlaub gefreut?

Das kam hinzu, war aber eine Randerscheinung. Da habe ich mich also doppelt gefreut.

Welt- und Europameister ohne einen Einsatz zu werden, das schafft auch nicht jeder!

Stimmt… aber ich sag immer, Deutschland hat mir zu verdanken, dass sie Weltmeister wurden!  – Weil ich nicht gespielt habe!(lacht).

Mann muss auch gönnen können, Sepp Meier war ein guter Torwart, ich war ein guter Torwart – es konnte nur einer spielen.

Trotzdem bedeuten die beiden Titel viel für sie?

Ich war dabei und habe Sepp Meier zu Höchstleistungen getrieben!

Stimmt das, dass sie bei Spielen der Nationalmannschaft auch mal mit einer Tafel Schokolade auf der Bank saßen?

Ja, das stimmt! Ich hatte Hunger. Besser als auf der Ersatzbank ein Bier zu trinken.

Sie werden bald 70, wie sieht ihr typischer Tagesablauf aus?

Schlafen, schlafen, schlafen, essen, essen, essen, saufen, saufen, saufen und das andere sag ich nicht!

Kochen sie selber?

Natürlich. Ich liebe einen Sauerbraten und noch lieber Rouladen, wie meine Mutter. Nicht so gut aber ich habe das von ihr gelernt. Und dazu eine leckere Soße mit Salzkartoffeln. So – jetzt weiß ich was ich heute Abend esse!

Was hätten sie damals gerne anders gemacht?

Viele Sachen, sehr viele Sachen. Ich habe 2 wundervolle Kinder, und das macht eine Menge, wenn nicht sogar alles wett!

Ich habe aber auch vieles richtig gemacht. Und es ist ok, so wie es ist.

Bei ihrem letzten Spiel wurden sie von der Nordkurve mit „Otto, Otto“ verabschiedet. Wie haben sie das erlebt?

Das war fast immer so, dass die Otto schrien (lacht). Für mich war das im Grunde fast alltäglich. Das Schöne war, als ich mit Düsseldorf zurück kam wurde ich von den Fans gefeiert, das fand ich toll! Daran erinnere ich mich noch gut. Das war wunderschön, ich war wieder zuhause!

Die Fans haben auch erkannt, dass ich zu ihnen gehöre, weil ich mich während des Spiels manchmal auch mit der Nordkurve unterhalten habe – also wenn Zeit war.

Sie haben unter Heynckes, Weisweiler und Lattek trainiert. Hat man das als Spieler gemerkt, wenn ein anderer Trainer auf der Bank saß?

Alles war anders. Zwischen Weisweiler und Lattek : Beide sehr erfolgreiche Trainer aber Hennes Weisweiler war nicht der intellektuelle Typ, der war Natur. Der lebte Fußball, wir haben ihm alles abgenommen, was er gesagt hat, wir haben ihm auch viel zu verdanken. Wenn er was sagte, dann stand er als ganze Person dahinter. Bei Udo Lattek hatte ich immer den Eindruck, der schreit bzw wird laut, um laut zu sein. Bei Hennes Weisweiler war das eine andere Körpersprache.

Wenn nach einem schlechten Spiel ein Spieler nach einer Ausrede suchte, kamen oft Sätze wie :“Hör doch auf, und sag, dass du schlecht gespielt hast!“ von ihm. Er mochte keine Ausreden.

Heute wird immer drum herum gesprochen.

Sie haben eine Sportschule betreut, sind sie dort immer noch aktiv?

Nein, nach meiner Krankheit habe ich das eingeschränkt und das übergeben.

Wie ist es damals zu der Idee gekommen?

Ich habe mich dem Fußball verschworen. Ich habe auch gesehen, dass das für die Kinder und für die Eltern positiv sein kann und in den Ferien eine Entlastung sein kann. Meistens hat man den Kindern eine Freude gemacht.

Jeff Strasser ist Partner der Sportschule?

Ich habe Jeff mal gefragt, als er in Gladbach war gefragt, ob man das in Luxemburg nicht auch machen könnte. Klaus Aretz hat das dann in Luxemburg weiter aufgebaut.

Direkter Kontakt zu Jeff war nicht direkt vorhanden.

Hatten sie einen Verein, für den sie in ihrer Karriere gerne mal gespielt hätten oder war das sogar Gladbach?

Es wurde Gladbach.  Ich habe früher immer für Ajax Amsterdam geschwärmt. Das war für mich zu der Zeit eine hervorragende Mannschaft, die habe ich immer verfolgt. Letztendlich ist mir Gladbach aber so ans Herz gewachsen, dass ich als Interesse von Ajax da war trotzdem zurück zur Borussia gewechselt bin.

Mit dieser Frage verabschieden wir uns von der Legende Wolfgang „Otto“ Kleff, wir von Fohlennews wünschen Ihm und seiner Familie weiterhin alles Gute.

  1. Anonymous

    gut gemacht Chris

  2. Wilhelm van Leyen

    schönes interview

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