Nahezu undurchdringbar, stabil, wie eine Einheit – Man hätte die Abwehr der Borussia, unüblicherweise bestehend aus nur drei Akteuren, letzte Saison mit einem Stein vergleichen können. Nach der Bekanntgabe der Formation vor dem ersten Einsatz, damals gegen den FC Bayern München, wurde diskutiert und kritisiert: „Fünferkette gegen die Bayern? Wir brauchen uns nicht verstecken!“ / „Eine Dreierkette gegen München?!“. Kritik von allen Seiten. Doch der Stein, den Schubert ins Bundesligameer warf, überzeugte überraschenderweise. Seit dem 3:1 Sieg gegen den Rekordmeister glitt der Stein, die Idee der Dreierkette, auf der Welle der Euphorie durch die Bundesliga und schwappte über diverse Gegner hinweg. Doch nach der starken Strömung aus Manchester, die den Stein herumwirbelte, hat man den Eindruck, die Welle ist langsam aber sicher am Strand der Probleme angekommen. 7 Gegentore in zwei Spielen. In den Sozialen Netzwerken wird wieder viel diskutiert und philosophiert: In den letzten Tagen das Gesprächsthema Nummer 1? Die Dreierkette! Doch ist die Dreierkette wirklich „besser“ als die übliche und klassische Viererkette? Was sagen die Statistiken? Was sind die Vor- und Nachteile dieser Formation? Gibt es dieses EINE perfekte Spielsystem? Und welche Varianten gibt es außer der Dreier- und Viererkette?

STATISTIKEN
Spielte die Borussia in einer Viererkette unter Schubert, erzielte sie im Durchschnitt in Deutschlands Oberhaus 2,8 Tore und kassierte nur 1,1 Gegentore pro Spiel. Agierte die Fohlenelf in der Bundesliga jedoch mit nur drei defensiven Akteuren, konnten sie 2,1 Tore erzielen, die Gegner trafen 1,6 Mal pro Spiel. Die Statistiken sprechen gegen die Formation, die Schubert seit dem Spiel gegen den FC Bayern München auflaufen lässt.

 

PRINZIP
(Um das Prinzip verständlicher darstellen zu können, wird anhand folgender Aufstellung erklärt: Elvedi, Christensen, Jantschke – Wendt, Traoré)

In der Offensivbewegung schieben die beiden Flügel auf die übliche Position eines Außenbahnspielers und unterstützen die Stürmer von der Seite. Die Dreierkette schiebt dann bis kurz vor die Mittellinie vor und sichert mit drei Spielern ab. Im Spiel gegen den Ball schieben Wendt und Traoré neben die Dreierkette, sodass eine Fünferkette entsteht, die das ganze Feld breit abdeckt. Demzufolge ist es enorm wichtig, Spieler auf den Außenbahnen zu haben, die entweder offensive Außenverteidiger (Korb/Wendt) oder defensiv-denkende Flügel (Traoré/Herrmann/Johnson) sind. Die Idee der Dreierkette ist es, entweder im Mittelfeld (3-5-2) oder im Sturm (3-4-3) eine Überzahl zu erzielen.
Falls die Flügel, die ein sehr laufaufwendiges Spiel betreiben müssen, nicht mit nach hinten arbeiten, entsteht je nach Anzahl der gegnerischen Stürmer eventuell eine Unterzahl in der Defensive. Diese kann, wenn nur drei Akteure in der Kette verteidigen, am einfachsten mit Diagonalbällen überspielt werden, da sie, im Vergleich zur Viererkette nicht so breit das Feld abdecken kann. Demzufolge ist die Mannschaft, wenn sie mit Dreierkette spielt, dazu gezwungen, das Spiel in die eigene Hand zu nehmen und die Vorteile in der Offensive zur Geltung bringen, anstatt den Gegner kommen zu lassen. Zudem können durch Pressing Diagonalbälle verhindert werden und die Gegner zu Fehler im Aufbauspiel gezwungen werden.

 

NACH DEM GEGNER RICHTEN
Welches der beiden Syteme erfolgversprechender ist, hängt stark vom Gegner ab. Spielt man z.B. gegen eine Mannschaft wie Freiburg ist eine Dreierkette sinnvoll, um das Spiel in die Hand zu nehmen und die zwar ehrgeizigen aber technisch unterlegenen Breisgauer nicht vor das eigene Tor kommen zu lassen. Gegen offensivstarke Teams wie Leverkusen ist es jedoch besser, mit vier defensiven Spielern zu verteidigen, um die Gegner kommen zu lassen, und bei Fehlern schnell umschalten und kontern zu können. Faustregel: Defensivstarker Gegner -> Dreierkette! Offensivstarker Gegner -> Viererkette! Trotzdem kommt es, wie bei jeder defensiven Formation, auch bei der Dreierkette darauf an, wie gut die Verteidiger aufeinander eingespielt sind. Welche Wichtigkeit das einnehmen kann, bekam man gegen Manchester schmerzlich zu spüren: Für Jantschke rückte Strobl neben Christensen und Elvedi in die Dreierkette. Diese Variante, also Elvedi-Christensen-Strobl, kam jedoch zu noch keinem einzigen Pflichtspieleinsatz, was sich vorallem in den ersten 20 Minuten bemerkbar machte. Wer sichert ab, wenn der Kettenkollege den Zweikampf verliert? Wer ist für welchen Raum zuständig? Steht noch jemand hinter mir, der den Ball klären könnte? All diese Fragen mussten sich die Abwehrspieler stellen – Weil sie nicht eingespielt waren! Demzufolge ist es wichtig, eine konstante Dreierkette zu finden, die sich auf einander einstellen kann und bei denen jeder Spieler die anderen beiden mit seinen Stärken ergänzen kann.

 

ANDERE MÖGLICHKEITEN
Da die Borussia eine Mannschaft mit vielen Spielern besitzt, die auch viel taktisches Verständnis und Variabilität ins Team bringen, ist es möglich je nach Spielstand und Spielverlauf auf die jeweils andere Formation umzuschwenken. Ein anderes System, das unter Anderem Pep Guardiola des Öfteren während seiner Zeit in München häufig anwendete, ist die „pendelnde Viererkette“ – hier erklärt am Beispiel: Wendt, Christensen, Jantschke, Strobl. Hierbei sollte man darauf achten, einen der beiden Außenverteidiger auch auf zentraler Position einsetzen zu können. In der Defensivbewegung wird in einer üblichen Viererkette agiert, nach Ballgewinn schiebt Strobl auf die Sechs, sodass eine Überzahl im Mittelfeld entsteht und einer der beiden eigentlichen Sechser, z.B. Dahoud mehr Freiheiten in der Offensive bekommt und direkt hinter ihm doppelt abgesichert ist. Christensen, Elvedi und Jantschke bilden dann die Dreierkette. Erkämpft sich das gegnerische Team den Ball, so schiebt Strobl wieder neben Christensen auf die Rechtsverteidigerposition. Somit hat man auch, wie bei Schuberts pendelnder Dreierkette zwei unterschiedliche Formationen in Defensiv- und Offensivbewegung, aber erzielt gleichzeitig ein weniger laufintensives Spiel für die Person, hier Strobl bzw Wendt und Traoré, die zwischen zwei Positionen switchen.


Taktische Variationen gibt es einige, jedoch, und das ist das aller wichtigste, was man leider in den vergangenen Spielen missen musste: „Wichtig ist nicht die Aufstellung. Wichtig ist die Einstellung.“